No Budget und Low Budget

Am Pfitscher-Joch-Haus war die Welt noch in Ordnung, das Radler (oder doch der?) war lecker und ich machte mich frohenmutes auf zum Hochferner-Messner-Biwak. Zuerst ging es runter auf dem Fahrweg des Pfitscher Jochs, ab und an rasten ein paar Mountainbiker an mir vorbei und dann wurde es still. Der Abzweig, den ich clevererweise etwas zu früh nehmen wollte was mich auf einer Wiese stranden ließ, versteckte sich hinter einem Gedenkstein an die Bergsteiger und, allen vorran, Kletterer die hier in der Nähe ihr Leben ließen. Der Weg war anfangs nicht sehr anstrengend und ich hatte massig Zeit also ließ ich mich nicht hetzen. Dann allerdings ging es steil bergauf und meine Beine wollten nicht mehr so wie ich wollte. "Mens sana in corpore sano" oder so ähnlich aber ich hatte das Biwak schon seit einiger Zeit vor den Augen (in knallgelb ist es auch kaum zu übersehen) und so kämpfte ich mich die letzten Meter hoch. Kämpfen ist hier definitiv die richtige Wortwahl, denn hier merkte ich zum ersten Mal dass meine Kondition wohl doch nicht so toll ist wie ich dachte...
Oben angekommen stutzte ich erstmal, denn es gab keine sichtbare Wasserquelle, und mir schwirrte der Leitsatz des Bergführers meiner ersten Wandertour durch den Kopf: "Trink niemals aus einem Bach, die Tiere pinkeln da rein!". Was also tun? Nun als ich mir gerade den Kopf zermartern wollte hörte ich schnelle Schritte draußen. Beim Blick aus dem offnen, oberen Teil der Biwaktür entfuhr mir ein leises "Uff". Da kam doch tatsache einer den Berg raufgejoggt... Es stellte sich herraus dass der werte Herr vom Alpenverein ist und das Biwak kontrolliert, das macht er alle zwei Wochen und nutzt das gleich für ein "kleines Training". Dieser echt nette Zeitgenosse verriet mir dann auch, dass ich das Wasser aus dem naheliegenden Bach durchaus verwenden kann, denn der Ursprung ist ja nicht weit, da können sich nicht viele Tiere erleichtern (gesehen habe ich tatsächlich kein einziges da oben ;) ). Nachdem er dann alles kontrolliert und die Spendenbox entleert hatte zog er sich noch ein anderes T-Shirt an (beim ankommen dampfte er förmlich), verabschiedete sich und joggte den Berg wieder runter. Und ich zog los um das 2000 Jahre alte Gletscherwasser zu holen, und was soll ich sagen... DAS ist echtes Wasser, das schmeckt richtig lecker, und der Kaffee den ich mir damit dann kochte war trotz Löslichkeit (und damit oft minderer Qualität) geradezu erquickend. Die Nacht dort oben war ein interessantes Erlebnis. Es fand sich kein weiterer Bergwanderer ein und so hatte ich alle 9 Betten für mich alleine, beschränkte mich dann aber in aller Bescheidenheit auf nur eines. :D
Die Nacht war kalt. Ziemlich kalt sogar, trotz dreier Wolldecken wollte sich kein wohlig warmes Mikroklima im Hüttenschlafsack einfinden. Erst als ich dann die Softshelljacke anzog wurde es besser.
Ich habe ja insgeheim auf klare Sicht am Morgen gehofft, wurde aber leider enttäuscht. Die Tür gerade geöffnet stand ich vor einer weißen Wand aus Nebel, wobei es eher Wolken waren. Sichtweite etwa 5m. Nun gut, dann halt keine umwerfende Aussicht <|. Nach einem weiteren Kaffee intravenös und einer Kurzwäsche mit (sorry) arschkaltem Wasser waren die Lebensgeister auch geweckt und ich machte mich an den Abstieg. Der war recht ereignislos und ich war relativ schnell im Tal, denn die nächste Nacht wollte ich in Sterzing verbringen, was ich der Entfernung wegen mit dem Bus ereichte.
Sterzing... eine schöne Stadt, bestimmt auch mal einen Soft-Wanderurlaub wert. Nach einigem hin- und hergerenne fand ich eine Unterkunft die mit meinem Budget bedient werden konnte und so warf ich alle Sachen im Zimmer ab, duschte mich schnell und schlenderte ohne Rucksack durchs Städtel um etwas Ess- und Trinkbares zu finden, und jemanden der seinen Internetanschluss gegen Gebühr mit mir teilen würde ;)
So einen fand ich dann auch, allerdings war die Tastatur eine Qual und so wurde der Blogeintrag nicht fertig (übrigens der Anfang dieses Eintrags). Am nächsten Tag ging es dann auf in Richtung Simile-Mahd-Alm. Der ursprüngliche Plan war mit dem Bus nach Mules (Mauls) zu fahren und von da aus die Simile-Mahd-Alm anzusteuern um dann zu sehen wie spät es ist und ob ich ein Weitergehen lohnt. Nun ich Drops habe natürlich den Bus verpasst und der nächste kam erst eine Stunde später. Intellent™ wie ich bin, dachte ich mir: "Dann kannste auch mal direktamente lostappeln, dann biste genauso schnell von Sterzing aus." Welch ein Trugschluss... Ich war gerade aus Sterzing raus und etwa 1 km gelaufen da schlug die Stunde um und der nächste Bus fuhr (den ich ja auch nicht bekam da ich ja sonsterwo war). Nun denn also weiter per pedes, die gefundene Wanderkarte (eine aus der Information von Sterzing wie ich den vorherigen Abend gesehen hatte) war (wie ich dachte) eine gute Hilfe. Auch hier wieder weit gefehlt, ich bin bestimmt an fünf verschiedenen Stellen an einer Sackgasse gelandet und musste wieder zurück um mir einen neuen Weg zu suchen.
Nach ewigen Irrungen und Wirrungen und mehr Anstrengung als mir lieb war erreichte ich um 16 Uhr die Trenser-Joch-Hütte. Ein kurzes Hadern mit mir selbst und weiter 5m auf dem stark ansteigenden Weg später war ich überzeugt in der Biwakhütte zu übernachten. Das war an diesem Tag die beste Entscheidung und so setzte ich mich mit meinen 4 frisch gefüllten Wasserflaschen in die Sonne und genoss den Nachmittag/Abend. Um 18 Uhr etwa kamen noch zwei Südtirolersche Wanderinnen vorbei und brotzeiteten an der Hütte, was mir einen kleinen (und neidisch machenden) Einblick in die Freizeitgestaltung dort lebender "Einheimischer" gewährte. Nachdem die Sonne dann den Weg unter den Horizont gefunden hatte und dankenswerterweise meinen USB-Akku über das Solarpanel wiederaufgeladen hatte verzog ich mich ins gemütliche Holzhüttchen und genehmigte mir mein Abendmahl, um dann in dem Biwaksack den ich mit hatte auf der Isomatte platznehmend in einen angenehmen Schlaf zu fallen.