Ungeplante Planänderung

Erster Tag. Ich wache im Gasthaus Breitlahner auf. Jetzt fragen sich bestimmt einige wie ich es geschafft hab um 20:30 Uhr von Mayrhofen bis kurz vor den Schlegeisspeicher zu kommen, sind es doch immerhin etliche Kilometer die sonst einen ganzen Tag in Anspruch genommen hätten. Nun ich lief also los von Mayrhofen mit dem Ziel Ginzling. Das sind etwa 8 km also durchaus nicht so lange. Ich war grad hinter dem Ortsschild von Mayrhofen, hatte mir die Stirnlampe aufgesteckt, da hielt neben mir ein VW-Bus an und Jake fragte mich mit leichtem britischen Akzent wo ich hin will. Ich sagte "Ginzling" und er antwortete "Spring rein". Er ist Mountainbiker und der Gepäcktransporter für eine Transalp-Mountainbike-Truppe. Nachdem er mitbekommen hatte dass ich noch keine Unterkunft hatte schlug er vor mich zum "Breitlahner" zu fahren, "die sind recht günstig". Als ich dann hier im Bett lag zeigte mir ein Blick auf das GPS dass der Schlegeisspeicher quasi einen Steinwurf hinterm Haus beginnt. Ursprünglich war der Plan die erste Etappe aus der Nähe der Gamshütte zum Friesenberghaus zu gehen, aber so passt das auch ganz gut. Jake kommt übrigens aus London und lebt seit ein paar Jahren in München und er meinte das Leben da ist teurer als in London, obwohl er da momentan auch nicht sein möchte...
Also ab zum Schlegeisspeicher, es ist frisch am Morgen, aber nach den ersten anstrengenden Minuten hat sich der Körper wieder dran gewöhnt und der meditative Zustand stellt sich wieder ein. Plötzlich steh ich vor einer Wand. Einer großen Wand. Der Staumauer. Gigantisch groß ragt sie vor mir auf und ich nehme erfurchtsvoll den Wanderweg nach oben. Oben erwarten mich ... Touris, in Massen und mit dicken Bäuchen und Digitalkameras ausgestattet werden sie von Bussen ausgekotzt und ins Restaurant geschoben. Nun denn, ich gehe weiter und beginne mich den Weg zum Pfitscher Joch raufzuquälen. Nach einer endlos lang scheinenden Zeit sehe ich die Hütte und nun sitze ich hier und trinke ein Radler.